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Salzow


Der Ortsname Salzow leitet sich wahrscheinlich vom slawischen Begriff Saloher ab, was so viel bedeutet wie dünnes Eismit dem der nahe fließende Schillerbach im Winter gelegentlich überfriert oder aber Fettoder Talg. Salzow, welches kurz hinter der Straßenbrücke über den Schillerbach nur wenige hundert Meter östlich der Landstraße von Löcknitz nach Retzin in einem kleinen Waldstück am Salzower Weg lag, war seit dem Mittelalter Rittergut und Vorwerk der von Ramin auf Schmagerow, einer Nebenlinie des pommerschen Uradelsgeschlechts von Ramin, mit dem gleichnamigen Stammhaus inRamin zwischen Löcknitz und Penkun.

1865 umfassten die Rittergüter Salzow und Schmagerow zusammen 3110 Morgen Land mit gut 1600 Nutztieren (Pferde, Schweine, Kühe, Schafe) die von über 60 Bediensteten der beiden Güter bewirtschaftet wurden. DasGut Salzow allein umfasste vier Wohn- und sieben Wirtschaftsgebäude in denen 38 Gutsbedienstete lebten und arbeiteten. Zusammen mit Schmagerow unterhielt Salzow eine eigene Schule die sich auf dem Gut in Schmagerow befand. Das Gut Salzow bildete einen eigenen Gutsbezirk der 1910 insgesamt 29 Einwohner[58] zählte, die gutsherrliche Gerichtsbarkeit und Polizeigewalt wurde jedoch vom jeweiligenGutsherren vom Gut Schmagerow her ausgeübt. Im Verlauf des Kapp-Lüttwitz-Putsches im März 1920 wurde das Gut Salzow von bewaffneten Arbeitern aus Löcknitz besetzt und dessen Besitzer Lüder vorübergehend verhaftet, da dieser im Verdacht stand, den rechts-konservativen Putsch zu unterstützen. Mit der zwischen 1928 und 1930 erfolgten weitgehenden Auflösung der Gutsbezirke im Freistaat Preußen durch das „Gesetz über die Regelung verschiedener Punkte des Gemeindeverfassungsrechts“ vom 27. Dezember 1927 mit Wirkung ab 30. September 1928 an, wurde der bis dahin eigenständige Gutsbezirk Salzow zunächst als Wohnort an die Gemeinde Löcknitz angegliedert. Im Zuge der Einführung der reichseinheitlichen Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 und durch die „Verordnung über die Gutsbezirke und gemeindefreien Grundstücke“ von 1938 wurde der Gutsbezirk Salzow jedoch endgültig aufgelöst und bildete seit dem einen Ortsteil der Gemeinde Löcknitz. Der Landwirt Lüder blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 im Besitz des gut 250 Hektar Acker, Wald und Wiesen umfassenden Gutes Salzow.

Im Zuge der Errichtung der vier alliiertenBesatzungszonen in Deutschland am Kriegsende 1945, wurde in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) noch im September 1945 eine Bodenreform durchgeführt. Dadurch wurde auch in Salzow der Landwirt Lüder von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD)enteignet. Kurze Zeit später wurde er unter bis heute nicht genau geklärten Umständen von sowjetischen Soldaten erschossen. Lüders Leichnam wurde zunächst am Weg rechts hinter dem Gutshaus unter einer Eiche beigesetzt und erst später, als dessen Frau und Kinder in die BRD übergesiedelt waren, auf den Löcknitzer Friedhof umgebettet. Das 250 Hektar große Gut wurde hingegen in Parzellen von ca. 10 Hektar aufgeteilt und an 22 Umsiedler und Gutsarbeiterfamilien vergeben, die 1954 die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) Erwin Fischer gründeten. Salzow, das 1957 aus 12 Wohnhäusern, 12 Ställen und Wirtschaftsgebäuden sowie einem Lebensmittelkonsum bestand, schloss sich 1958 mit der LPG Karl Liebknecht in Löcknitz zusammen. Ab Ende der 1960er Jahre fanden aber neue Umstrukturierungen in derkollektivierten Landwirtschaft der DDR statt. Innerhalb der LPGs und Volkseigenen Gütern(VEGs) wurden die Viehhaltung und die Feldwirtschaft bzw. Pflanzenproduktion nun getrennt und letztere in Kooperative Abteilungen Pflanzenproduktion (KAP)zusammengefasst. Für das relativ kleine Salzow, dessen ehemaliges Gut bis Mitte der 1970er Jahre ohnehin stark heruntergewirtschaftet war, bedeutete das, dass nun auch noch die Viehhaltung komplett aufgegeben wurde und die gesamte Feldwirtschaft bzw. Pflanzenproduktion mit der der anderen, umliegenden Gemeinden, in einer KAP zusammengefasst und zentralisiert wurde. Dadurch verlor Salzow nicht nur seine Bedeutung als Wohnort, sondern wirtschaftete auch nicht mehr rentabel, weshalb die Feldwirtschaft bzw. Pflanzenproduktion Mitte/Ende der 1970er Jahre eingestellt wurde.

1978/79 verließen auch die letzten Bewohner Salzow und bis 1980 waren die so nun leerstehenden Wohnhäuser und Stallanlagen stark verfallen. Zwischen 1980 und 1983 versorgten sich die Bewohner der umliegenden Dörfer in großem Stil gratis mit in der DDR ohnehin knappen Baumaterialien, direkt durch die Demontage und den Einriss der Gebäude in Salzow, wodurch der Ort immer weiter verfiel. Bis 1983 war die gesamte ehemalige Gutsanlage Salzow bereits so verfallen das sie zunächst baupolizeilich gesperrt und anschließend das Gutshaus, alle Wohnhäuser, die massiven Ställe und Wirtschaftsgebäude sowie die Parkanlage komplett abgerissen und planiert wurden. Ende der 1980er Jahre wurde das ganze Gebiet des ehemaligen Gutes Salzow eingezäunt und als Müllkippe genutzt. Heute zeugen vom Ort Salzow und der Gutsanlage nur noch der an dieser Stelle stehende Zaun mit einem Einfahrtstor, ein großer Schutt- und Müllberg sowie einige Mauerreste.


Schade ist der Wandel vom eins großen Rittergut zum platten Land,

Quelle: Wikipedia 




 

Erinnerungen: Bereits als Kind bin ich gerne in Ruiunen gewesen und liebte dieses Abenteuer. Ich fuhr mit dem Fahrrad von unserem Bauernhof nach Salzow, meistens mit meiner Cousine Angelika Gerth (Geli). Wir hatten unendlich viel Spaß  dabei. In Salzow standen in den 80iger Jahren noch hohe Mauern, die noch nicht von Mutter Natur geholt worden sind. Die Mauern waren noch miteinander verbunden, das Dach jedoch schon löchrig. Es war spannend und aufregend wenn wir darin zwischen Spinnenweben und mit Spuk in unseren Gedanken durch die Ruinen von Salzow stöberten. Bereits als Kind fragte ich mich, wo sind all die Menschen hin, die hier einst wohnten? Wohin sind all die Bauernhoftiere? Ab und zu lag alter vergessener Haushaltsmüll an einigen Stellen, wo vielleicht einst sich eine Küche befand?


Landwirte Kreis Randow 1930 (Salzow bei Löcknitz):
(R) Fritz Lüder 
RG (Rittergut)Kurt Lüder besaß 1928: 22 Pferde, 13 Rinder und davon 6 Kühe, 13 Schafe und 55 Schweine.

Lüder war der Gutsbesitzer des Gutes in Salzow.  
Laut Erzählungen landeten beide Söhne im 2. Weltkrieg mit einem Doppeldecker heimlich in Salzow. Dies war so 1942 / 1943. 



Salzow Ein ehemaliger Ortsteil von Löcknitz Aufgeschrieben von D. Rehpenning aus Potsdam Dr. Berghaus leitet den Ortsnamen Salzow von Salo her, was dünnes Eis, (mit dem die Flüsse überfrieren: Randow, Schillerbach) aber auch Fett oder Talg bedeutet. Salzow war seit alter zeit ein rittergut und Vorwerk der Familie Ramin auf Schmagerow. 1865 umfasste die vereinigte Feldmark der Güter Schmagerow und Salzow 3110 Morgen, wovon nur etwa die Hälfte Ackerland war. Auf beiden Gütern bestand das Wirtschaftspersonal aus: 2 Inspektoren, 1 Aufseher, 12 Tagelöhner, 15 Knechte und Mägde sowie 1 Schmied. Der Viehbestand betrug insgesamt: 24 Pferde, 7 Füllen, 16 Ochsen, 35 Kühe und Jungvieh, 1400 Schafe, 40 Schweine, etwas Federvieh wie Enten, Hühner und Puten. Fischerei wurde eigentlich nicht betrieben, doch wurden gelegentlich im Leichensee Reusen gelegt. In den Torflagern wurden jährlich etwa 400.000 Stück Torf gestochen. In Salzow befanden sich 1865: 4 Wohnhäuser mit 7 Wirtschaftsgebäuden. Es wohnten dort 38 Personen in 7 Haushaltungen. Schmagerow und Salzow unterhielten gemeinsam eine Schule in Schmagerow mit einem Lehrer und einer Klasse. Der Lehrer bezog das gesetzliche Schulgeld von jedem Kind und erhielt vom Gut zu seiner Existenz verschiedene Naturalien. Die Polizeiobrigkeit hatte über Salzow mithin das Gut Schmagerow, so war Salzow bis 1937 Gutsbezirk und gehörte bis Kriegsende im Jahre 1945 einem Herrn Lüder. Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht im Mai 1945 wurde Deutschland unter den Siegern in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Im September 1945 wurde in der SBZ (Sowjetischen Besatzungszone) die Bodenreform durchgeführt. In dem jetzt zu Löcknitz gehörenden Ortsteil Salzow, wurde der Gutsbesitzer Lüder enteignet. Sein Besitz der etwa 250 ha Acker, Wiesen und Wald umfasste wurde zusammen zu Anteilen von 10 ha unter 22 Umsiedler- und Gutsarbeiterfamilien aufgeteilt. Lüder, der ehemalige Gutsherr, überlebte den Zerfall seines Besitzes nicht lange, er wurde in Salzow von russischen Besatzungssoldaten erschossen, wobei seine Frau ebenfalls verletzt wurde. Die Leiche Lüders wurde dann unter der Eiche am Weg rechts hinter dem Gutshaus beerdigt. Der unmittelbare Anlass, der zu dieser Erschießung führte, ist nicht bekannt. Möglich ist, dass Lüder bei einer Plünderung oder einer tätlichen Belästigung seiner Frau Widerstand geleistet hat, denkbar aber auch, dass er sich der Zwangsausweisung von seinem Besitz nach der Enteignung widersetzte. Ein weiterer Grund und am wahrscheinlichsten könnte sein, dass Lüder von jemanden aus politischen oder persönlichen Gründen denuziert wurde. Frau P., die mit ihrer Familie als Umsiedler aus Ostpreußen nach Salzow kam, schilderte folgenden Vorfall. Bei ihrer Ankunft wurde sie von dem ehemaligen Landarbeiter Kurt L., der nun in Salzow eine Art Bürgermeisterfunktion ausübte, in ihre neue Heimat eingewiesen. Dabei kam man auch an dem Grab von Lüder vorbei. Auf ihre Frage, wer dort begraben wäre, kam das Gespräch auf Lüder. Er äußerte sich in diesem Gespräch geradezu abfällig mit folgenden Worten über diesen: „Da liegt der Hund begraben.“ Aus Gesprächen mit mehreren Leuten, die Lüder kannten, entsteht jedoch der Eindruck, dass dieser allgemein wegen AMTSBLATT LÖCKNITZ-PENKUN - 14 - Nr. 03/2007 VEREINE – VERBÄNDE – VERANSTALTUNGEN seiner freundlichen, gutmütigen Art und wegen seines persönlichen Fleißes beliebt war und wie man so im Volksmund sagt: „Keiner Fliege was zu Leide getan habe.“ Es bleibt natürlich spekulativ, aber die Vermutung liegt nahe, dass Lüder deshalb denunziert und erschossen wurde, weil er als Großgrundbesitzer, der damaligen Sprachregelung folgend, ein Junker oder auch Kulak und damit ein reaktionärer Ausbeuter war. In diesem Zusammenhang mag auch von Bedeutung sein, dass in der Nähe seines Besitzes auf der Retziner Straße in Höhe des Burgwalls, die Löcknitz angreifenden sowjetischen Verbände in schwere Abwehrgefechte mit der deutschen Wehrmacht verwickelt wurden. Schon 1920 im Zusammenhang mit dem Kapp-Putsch wurde der Gutskomplex von links gerichteten bewaffneten Arbeitern besetzt. Diese nahmen Lüder vorübergehend gefangen. Die Anschuldigungen erwiesen sich jedoch als haltlos. Lüders Leiche wurde später exhumiert und zum Löcknitzer Friedhof überführt. Das Grab liegt dort unmittelbar am Gräberfeld der gefallenen deutschen Soldaten. Es wird heute noch von einer Frau aus dem Ort gepflegt. 1954 wurde in Salzow die LPG „Erwin Fischer“ gegründet. 1958 fand die Vereinigung der LPG „Erwin Fischer“ mit der LPG „Karl Liebknecht“ in Löcknitz statt. In den 70er Jahren besuchten Frau Lüder und ihr Sohn, die heute in der Bundesrepublik Deutschland leben, ihren ehemaligen Besitz in Salzow. Wie Anwesende berichteten, standen beide fassungslos weinend vor dem heruntergekommenen Gutshof. Mitte der 70er Jahre war dann das Schicksal von Salzow durch die erneute Umstrukturierung der Landwirtschaft endgültig besiegelt. Jetzt wurden verstärkt KAP (Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion) gebildet. Das bedeutet eine Trennung der Viehhaltung von der pflanzlichen Produktion.

Salzow Teil 2 Ein ehemaliger Ortsteil von Löcknitz Aufgeschrieben von D. Rehpenning aus Potsdam In Salzow wurde die Viehhaltung aufgegeben und die Ställe wurden somit nutzlos. Durch das Zusammenlegen mehrerer Ortschaften in den Kooperationen wurde die gesamte Feldarbeit zentralisiert. Die im Feldbau Beschäftigten wurden jetzt mit Fahrzeugen von einer Gemeinde in die andere transportiert, um dort die anfallenden Arbeiten durchzuführen. Durch diese im Grunde unökonomischen Maßnahmen, war es natürlich nötig, um Transportkosten zu sparen, die Arbeitskräfte möglichst geschlossen zusammen zu haben. Salzow verlor dadurch auch noch seine Bedeutung als Wohnort, die dort lebenden Menschen wanderten ab. 1978/79 haben die letzten Einwohner Salzow verlassen. Seit dieser Zeit standen dann die Gebäude leer und waren dem Verfall preisgegeben. Wer 1980 Salzow einen Besuch abstattete, der konnte selbst als Unbeteiligter Tränen vergießen. Es ist einfach unfassbar, wie man ein ehemals blühendes Anwesen mit einer schönen alten Parkanlage, so verwahrlosen lassen konnte. Geschäftstüchtige, raffgierige Leute versorgten sich hier gratis mit Baumaterialien aller Art. Und wie man erfuhr, waren angesehene Personen in leitenden Funktionen mit von der Partie, um sich anderenorts Bungalows bauen zu lassen, die an Urlauber vermietet werden sollten. Diesem ganzen Treiben wurde in den Jahren von 1980 – 83 weder durch eine zuständige Behörde nachgegangen, noch dem ein Ende gesetzt. Erst als dann an der Hauptstraße auch das Wartehäuschen der Buslinie demontiert wurde, zeigte man Aktivitäten. Die Polizei versuchte die Täter zu ermitteln, den Schaden an den Gebäuden im Ortsteil Salzow nahm sie wohl nicht einmal zur Kenntnis. Als dann 1983 in Salzow nichts mehr zu retten war, wurde gegen das Betreten des Ortsteiles ein Verbotsschild aufgestellt und der Rest dann offiziell eingerissen. Die gesamte Anlage des Ortes mit dem Gutshaus, den großen massiven Ställen und der Parkanlage hätte besser genutzt werden können. Landschaftlich wunderschön gelegen, umgeben von Wäldern und unweit des Löcknitzer Sees, hätte man sich hier ein Ferienparadies für Kinder vorstellen können. Aber, da fehlte wohl der Weitblick, das Geld und das persönliche Bemühen verantwortlicher Gemeindevertreter für solch ein Unternehmen. In den Jahrhunderten war diese Siedlung gewachsen. Gleichgültig und die Unfähigkeit Rechtes zu tun haben dieses Anwesen in nur 3 Jahren endgütig ruiniert und für immer ausgelöscht. Im Jahre 1957 standen in Salzow: 3 Häuser mit mehreren Familien, 8 Häuser mit je einer Familie, 1 Holzhaus mit einer Familie, 12 Ställe, 1 Lebensmittelverkaufsstelle.
Als der alte Dreschkasten reihum ging Volkskorrespondent Henry Kreitz schrieb Erinnerungen der Genossin Anna Deil an die Bodenreform auf Die Familie Deil war Neusiedler in der ehemaligen Gemeinde Salzow. Jetzt sind beide Rentner und wohnen in einer Nr. 04/2007 - 19 - AMTSBLATT LÖCKNITZ-PENKUN schönen Neubauwohnung in Löcknitz. Genossin Anna Deil, die schon das 80. Lebensjahr überschritten hat, erinnert sich: Als der zweite imperialistische Weltkrieg zu Ende ging, zogen wir aus der Nähe Stettins mit einem Rucksack nach Löcknitz und erhielten durch die Bodenreform eine Neubauernstelle in Salzow. Nicht einmal im Traum hätten wir daran gedacht, einmal eigenes Land, einen eigenen Hof zu besitzen. Auch wir erhielten zehn Hektar Land, Wald und Wiese, schuldenfrei und Kredite zu günstigen Bedingungen. Der Anfang war sehr schwer. Es fehlte an allem, ob Saatgut, Pflug, Egge oder Vieh. Nach etwa einem Jahr hatten wir jedoch bereits 4 Kühe, 20 Schweine und Kleinvieh. Zu meinen schönsten Erlebnissen gehörte die Ablieferung unseres ersten Getreides. Wir wussten, was von uns erwartet wurde. In den Ställen war der Hunger ja noch größer als bei uns. Ich erinnere mich auch gern an den ersten Tanzabend, als Traktoristen der MAS aus Grambow im Schloss des ehemaligen Großgrundbesitzers aufspielten, wo der Knecht früher nur mit dem Hut in der Hand als Bittsteller auftreten durfte. Es machte uns nichts aus, dass die Kleider aus gefärbter Sackleinwand bestanden und die Schuhe aus abgefahrenen Traktorenreifen stammen. Kurt Schulz, auch ein Umsiedler, organisierte alles und war ein Possenreiter, der für Stimmung sorgte. Die neue Gesellschaftsordnung gab uns aber nicht nur Land, sondern bewies, dass sie zum Wohle und Nutzen der arbeitenden Menschen da war. Otto Heilmann war es, der uns das näher brachte. Er war Knecht beim Großgrundbesitzer gewesen, erklärte uns geduldig, was noch nicht in unseren Kopf wollte. Er wurde auch Leiter der Gemeindebodenkommission. Eines Tages fuhren wir nach Löcknitz. Aus den südlichen Bezirken war Vieh für uns gekommen. Ich erhielt eine Färse, unser erstes Stück Vieh. Ich war mächtig stolz. Später kamen noch zwei Kühe und ein Pferd dazu. Als erste Zugkräfte dienten die Färse und eine Kuh. Damit zu arbeiten war sehr schwer. Wo es am schwierigsten war, half die MAS Grambow. Das Komitee der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) unterstützte uns mit Saatgut, Zuchttieren und Ackergeräten. Ein Problem war das Dreschen. Wir hatten für das ganze Dorf einen alten Lanz-Dreschkasten. Also hieß es, reihum und in gegenseitiger Hilfe Tag und Nacht zu dreschen. Pausen gab es kaum. Mit der einen Hand wurden die Getreidegarben in den Kasten geschoben, und in der anderen Hand hielten wir ein Stück Brot. Es war ein Leckerbissen, wenn auf den Kanten Sirup gestrichen war. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass der Friede erhalten bleibt, dass die nachfolgenden Generationen niemals erleben mögen, wie grausam der Krieg ist, wie viel Leid und Elend er mit sich bringt. Heute leben wir in sozialer Geborgenheit, genießen die großzügigen Maßnahmen unseres Staates. Also ist auch die Pflicht eines jeden von uns, das Vertrauen, dass die Partei in uns setzt, zu rechtfertigen. Es liegt in unserer Hand, was morgen sein wird.

Salzow Teil 3 Ein ehemaliger Ortsteil von Löcknitz Aufgeschrieben von D. Rehpenning aus Potsdam Der Johanneshof Ähnlich wie bei Gut Salzow verlief auch das Schicksal des Bauernhofes Vogel am Johannesberg. Auch auf diesem wurden nach Beendigung des Krieges wegen des akuten Wohnraummangels Einquartierungen vorgenommen. Großbauer Vogel führte seinen Hof jedoch noch bis Anfang der 50er Jahre, dann verließ er diesen und floh nach Westdeutschland. Grund für die Flucht vieler Bauern war damals das hohe staatliche Abgabensoll, mit dem größere Bauernwirtschaften beauflagt waren, und die beginnende Kollektivierung der Landwirtschaft, der sich viele Bauern widersetzten. Nachdem der Hof Vogel aufgegeben worden war, wurde dieser dann ab 1955 von der LPG übernommen. Bis in die 70er Jahre waren die Gebäude des Hofes noch bewohnt und genutzt. Dann kam es zur Gründung der KAP. Durch diese Strukturänderung in der Landwirtschaft wurde der Hof mit seinen Stallanlagen und der Scheune nicht mehr gebraucht. Das Anwesen wurde aufgegeben und seit 1980 zerfielen Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude. Die Gemeinde fand einen Betrieb als Nutzer, welcher die Gebäude als Ferienobjekt ausbauen wollte. Es wurden Baumaterialien angefahren. Diese Materialien wurden teilweise gestohlen und an den Gebäuden weiterhin Zerstörungen vorgenommen, um Baumaterialien zu gewinnen. Daraufhin zog sich der Betrieb von diesem Objekt zurück. Auch hier hätten Gemeindvertretung und örtliche Polizei aktiv werden müssen, aber es geschah so gut wie nichts. Die Gebäude wurden nach und nach so demoliert bis sie baufällig waren, so dass sie dann aus Sicherheitsgründen Nr. 05/2007 - 15 - AMTSBLATT LÖCKNITZ-PENKUN abgerissen werden mussten. Der Abriss der Gebäude erfolgte dann in einer genau so schlampigen Weise, wie vorher die Sicherung des Objektes. Nachdem die Gebäude eingerissen worden waren, blieben die Überreste dann unberäumt liegen. Danach versuchte man seitens der Gemeinde, wahrscheinlich um die Kosten für die Beräumung des Komplexes zu sparen, die Bevölkerung für die Gewinnung von Baumaterialien zu interessieren. Der Erfolg dieses Aufrufes war mäßig, das war im Jahr 1982. Vier Jahre danach, im Jahre 1986, kann man diesen Schandfleck angrenzend an ein Landschaftsschutzgebiet noch besichtigen. Doch damit nicht genug nutzt man selbst die unmittelbare Umgebung des ehemaligen Bauernhofes - vom Rat des Bezirkes als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und auch gekennzeichnet - im Einvernehmen mit dem Rat der Gemeinde als Lagerplatz für Bauschutt von Abrisshäusern des Ortes Löcknitz. Dadurch wird der Erholungswert der Landschaft für die in Löcknitz weilenden Urlauber bestimmt nicht gesteigert und das Wohlbefinden der einheimischen Bürger ist bei Spaziergängen an dieser wilden Müllkippe auch nicht gerade gestiegen. Und alles das geschieht scheinbar unter dem Motto: „Schöner unsere Städte und Gemeinden – Mach mit.“ Mach mit, mit dieser Aufforderung will man doch wohl die Bürger nicht etwa dazu anspornen, in ihrer Freizeit den Dreck, den unfähige Leute an verantwortlichen Stellen verzapfen, wieder wegzuräumen. Oder wie soll man diesen Schwachsinn sonst verstehen

Salzow Teil 4 Ein ehemaliger Ortsteil von Löcknitz
Aufgeschrieben von D. Rehpenning aus Potsdam:
Die wohl letzte kriegerische Auseinandersetzung in all den Jahrhunderten ihrer wechselvollen Geschichte erlebte die Burganlage am 26. April 1945. Die aus Richtung Oder vorstoßende Rote Armee, forderte die zur Verteidigung um Löcknitz liegenden deutschen Kampfeinheiten zur Kapitulation auf, die jedoch von deutscher Seite abgelehnt wurde. Daraufhin kam es in der Umgebung und später im Ort zu schweren Kämpfen. Nach einem Bombenangriff auf Löcknitz durch sowjetische Flugzeuge, erfolgte dann der Sturmangriff auf den Ort. Deutsche Wehrmachtsverbände, Volkssturm und SS-Einheiten lieferten den angreifenden sowjetischen Verbänden schwere Abwehrgefechte. Der Randowübergang mit der Bollbrücke wechselte mehrere Male den Besitzer. Als die Bollbrücke jedoch nicht mehr gehalten und endgültig aufgegeben werden musste, wurde sie zusammen mit der ebenfalls über die Randow führenden Eisenbahnbrücke von deutschen Soldaten in die Luft gesprengt. Von Bergholz und vom Rollberg aus feuernde deutsche Pak und 8,8 cm Flak, welche im Erdkampf eingesetzt war, belegte den Ort der nun in sowjetischer Hand war mit einem Granathagel. Bei diesem Beschuss wurden unter anderem auch der Bergfried und der in gleicher Richtung dahinter stehende Kirchturm des Ortes getroffen. Wahrscheinlich hatte man die Absicht, sie als Feuerleitpunkte für die sowjetische Artilleriebeobachter auszuschalten. Die Granate welche den Bergfried traf, durchschlug auf der südwestlichen Seite die gesamte Mauerstärke des Turmes (ca. 1,5 m) und blieb als Blindgänger im Innenraum in der gegenüberliegenden Wand stecken. Dieser Blindgänger wurde erst Ende der 40er Jahre entfernt und entschärft. Von der Härte der Kämpfe die um Löcknitz tobten, zeugen noch heute die Soldatengräber auf den Friedhöfen des Ortes. 104 deutsche Soldaten und 43 sowjetische Soldaten fanden hier ihre letzte Ruhe. Löcknitz hatte nach Beendigung der Kämpfe 56 zerstörte Wohnhäuser und war zu 60 % zerstört. Nach dem Krieg, bis zum Jahre 1958 wohnten dann noch etwa 20 Familien im Löcknitzer Schloss, dann wurde dieses Gebäude baupolizeilich gesperrt. Nachdem die letzten Mieter das Schloss geräumt hatten, war das Bauwerk endgültig dem Verfall preisgegeben. Das dach wurde undicht, AMTSBLATT LÖCKNITZ-PENKUN - 12 - Nr. 06/2007 die Fenster wurden zerschlagen und so konnte die Feuchtigkeit in das gesamte Bauwerk eindringen. Holzteile wie Dachstuhl, Treppen und Fußböden vermoderten, schließlich stürzte im Seitenflügel das Treppenhaus und Teile des Daches ein. Das gesamte Mauerwerk bekam Risse wodurch eine akute Einsturzgefahr für das Bauwerk bestand. Nachdem man etwa 30 Jahre zugesehen hatte wie das Schloß mehr und mehr zerfiel, entschloss man sich im Gemeinderat diese Gefahrenstelle zu beseitigen. Am 7. November 1985 gegen 13.30 Uhr wurde das Schloss gesprengt. Durch die Sprengung des Schlosses verlor Löcknitz ein historisches Bauwerk, welches durch seine Geschichte eng mit dem Ort verbunden war. Auch das Ortsbild verlor dadurch eine seiner schönsten Ansichten, denn Schloss und Wehrturm fügten sich zusammen mit der Randow harmonisch in die Landschaft ein. Der nun einzeln stehende Bergfried hat diese Wirkung weitgehens verloren. Nun ist abzuwarten, ob dem Turm als letztes Zeugnis einer großen Befestigungsanlage das gleiche Schicksal beschieden sein wird wie den übrigen Bauten der alten Burganlage. Der bauliche Zustand des Bergfrieds, obwohl von denkmalpflegerischer Seite als sehr wertvoll eingestuft, ist genauso verheerend wie der Zustand der darunter liegenden Kasematten. Die örtlichen Behörden in deren Verantwortungsbereich ja die Pflege solcher historischer Bauwerke fällt, zeigen hier eine Interessenlosig- und Gleichgültigkeit die sträflich erscheint. Wenn alte unwiederbringliche Zeugnisse der Vergangenheit achtlos dem Verfall preisgegeben und oft auch gedankenlos zerstört werden, ohne dass verantwortliche Behörden hier eingreifen, dann braucht es nicht zu verwundern, wenn sich bei den Menschen in einer so ungepflegten Umgebung keine Heimatliebe entwickelt. Heimatliebe bedeutet aber auch Achtung vor der Vergangenheit zu haben und sie ist unerlässlich, wenn sich ein Mensch schützend und bewahrend vor die Natur und das Erbe der Väter stellen soll. Die Umwelt lebenswert zu gestalten kann nur eine Aufgabe unserer Zeit sein, sie nachfolgenden Generationen auch so zu übergeben, dass die Geschichte für die Menschen noch nacherlebbar bleibt, darin liegt unsere Verantwortung.


  • Salzow, bei Löcknitz. Gut, 367,6 ha. 1928 Hermann Schwarzwäller.

Auf dem Bild sind die noch heute existierenden Mauerreste von Stallanlagen des Gutshofes in Salzow.
File:Salzow-Mauerreste-IMG 0634.JPG

Einwohner von Salzow:



Quelle:
https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Salzow-Mauerreste-IMG_0634.JPG

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